Exzellenz-Förderung für herausragende Wissenschaftlerin

Biophysikerin Edda Schulz in das Lise-Meitner-Exzellenzprogramm aufgenommen

15. Juni 2020

Edda Schulz vom Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (MPIMG) ist eine von neun Gewinnerinnen des diesjährigen Lise-Meitner-Exzellenzprogramms der Max-Planck-Gesellschaft. Das Programm richtet sich an herausragende Forscherinnen, die zu den Ausnahmetalenten ihres Forschungsgebiets zählen. Das Besondere daran: Spätestens fünf Jahre nach dem Start der Gruppe wird die Lise-Meitner-Gruppenleiterin zu einem Max-Planck-internen Tenure Track-Verfahren eingeladen. Bei positiver Bewertung erhält sie eine dauerhafte Forschungsgruppe an einem Max-Planck-Institut.

Edda Schulz ist Gruppenleiterin am Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (MPIMG) ist eine Gewinnerin des Lise-Meitner-Exzellenzprogramms der Max-Planck-Gesellschaft im Jahr 2020.

Edda Schulz interessiert sich für das Zusammenspiel der Gene während der Entwicklung und Spezialisierung von Stammzellen. Komplexe, miteinander verwobene Steuerungsmechanismen sorgen dafür, dass sich jede Zelle „richtig“ entwickelt. Die Wissenschaftlerin und ihr Team verwenden in ihrer Forschung quantitative Verfahren, deren Ergebnisse sie mit Hilfe mathematischer Modelle interpretieren.

Vier Fragen an Edda Schulz

Was begeistert Sie an Ihrer Forschung?
„Die große Frage, die mich antreibt, ist, wie die verschiedenen Zelltypen in unserem Körper sehr unterschiedliche Funktionen erfüllen können, obwohl sie alle von derselben DNA- Sequenz gesteuert werden. Bei Säugetieren stellen komplexe Regulationsmechanismen sicher, dass in jedem Zelltyp nur ein definierter Teil des Genoms aktiv ist. In unserer Forschung wollen wir die Prinzipien entschlüsseln, mit denen Genaktivität präzise durch quantitative Signale gesteuert wird.“

Zweidimensionale Darstellung von Zellen, die mittels Einzelsequenzierung charakterisiert wurden

Welchen Schwerpunkt werden Sie bei Ihrer Arbeit am MPI setzen?
„Um die Prinzipien aufzudecken, die von der Zelle verwendet werden, um die Genaktivität genau zu steuern, werden wir untersuchen, wie weibliche Zellen in Säugetieren eines ihrer X-Chromosomen in einem Prozess ausschalten, der als X-Chromosomen-Inaktivierung bezeichnet wird.“

Wie würden Sie die Situation von Frauen in der Wissenschaft beschreiben – in Ihrem Fachgebiet und generell?
„In den Bereichen Epigenetik und Entwicklungsbiologie gibt es viele führende Wissenschaftlerinnen, die wichtige Beiträge geleistet haben. Die meisten von ihnen arbeiten jedoch in den USA, Frankreich oder Großbritannien. In Deutschland werden Führungspositionen in der Wissenschaft nach wie vor stark von Männern dominiert, was zu einem Mangel an weiblichen Vorbildern führt.“

Was war für Sie persönlich die wichtigste wissenschaftliche Erkenntnis der vergangenen fünf Jahre?
„Die Entdeckung von CRISPR-Systemen und ihre Nutzung als molekulare Werkzeuge haben die Art und Weise revolutioniert, wie wir das Genom untersuchen können.“

Die Chance auf eine Spitzenposition

Nach der Promotion als Biophysikerin am Deutschen Rheumaforschungszentrum und der Humboldt-Universität zu Berlin gewann Edda Schulz 2010 eines der begehrten Langzeit-Stipendien des Human Frontiers Science Program und ging als Postdoktorandin in die Gruppe von Edith Heard am Institut Curie in Paris. 2014 kam sie zum Aufbau einer Max-Planck-Forschungsgruppe an das MPIMG, wo sie inzwischen ein zehnköpfiges Team leitet. Mit der Lise-Meitner-Förderung will Schulz ihre Forschung am Institut in Berlin für weitere fünf Jahre vorantreiben.

Das Lise-Meitner-Exzellenzprogramm bietet erfolgreichen Kandidatinnen zunächst für fünf Jahre eigene Sach- und Personalmittel zur Finanzierung ihrer Forschungsgruppe. Darüber hinaus erhalten sie ein Angebot zur Teilnahme an einem Tenure-Track-Verfahren: Sofern die Arbeit gegen Ende der Laufzeit von einem unabhängigen Komitee positiv bewertet wird, erwartet die Forscherin eine unbefristete W2-Position zur dauerhaften Leitung ihrer Forschungsgruppe.
Mit dem Lise-Meitner-Exzellenzprogramm will die Max-Planck-Gesellschaft weibliche Talente strukturiert und gezielt identifizieren und fördern. Darüber hinaus ist es ein zusätzliches Ziel des Programms, Kandidatinnen zu identifizieren, die als künftige Direktorinnen an einem Max-Planck-Institut geeignet sind.

Damit reiht sich das Lise-Meitner-Exzellenzprogramm in die Maßnahmen ein, die die Max- Planck-Gesellschaft unternimmt, um vor dem Hintergrund der zahlreichen Emeritierungen in den kommenden Jahren weibliche Ausnahmetalente zu fördern und einen Kulturwandel innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft in Gang zu setzen.

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