Ausgezeichnete Nachwuchswissenschaftlerin mit Kind

Doktorandin des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik erhält L’Oreal-Preis „For Women in Science“

21. September 2015

Stefanie Schöne, Doktorandin am Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (MPIMG), gehört zu den drei Preisträgerinnen des diesjährigen L’Orèal-Preises „For Women in Science“. Die Auszeichnung wird ihr am 23. September 2015 in Kassel im Rahmen der Jahrestagung der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragen an Hochschulen überreicht.

Stefanie Schöne, Doktorandin am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin

Als Frau in die Spitze der wissenschaftlichen Forschung zu kommen ist schwer. Als Frau mit Kind ist es noch schwerer. Damit gut ausgebildete Frauen ihre vielversprechende Karriere aufgrund einer Familiengründung nicht wesentlich unterbrechen oder sogar abbrechen, wurde 2006 in Deutschland das Programm FOR WOMEN IN SCIENCE ins Leben gerufen. Das Förderprogramm trägt dazu bei, die Situation hochqualifizierter Doktorandinnen mit Kindern zu verbessern, sie darin zu bestärken, ihren vielsprechenden Weg in der Forschung fortzusetzen und damit der Forschung wichtiges Know-How zu erhalten.

Stefanie Schöne, eine der diesjährigen Preisträgerinnen, arbeitet als Doktorandin am Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, wo sie sich mit der Funktionsweise des Glukocorticoid-Rezeptors (GR) beschäftigt. Dabei handelt es sich um einen hormonell gesteuerten Transkriptionsfaktor, der nach seiner Aktivierung durch Glukocorticoide wie zum Beispiel Cortison an bestimmte DNA-Abschnitte bindet und dadurch Gene aktiviert. Die Biowissenschaftlerin möchte verstehen, warum der GR zwar auf ähnliche Art an die DNA von hunderten von unterschiedlichen Genen bindet, diese aber unterschiedlich stark aktiviert. Bei ihren Analysen hat Schöne entdeckt, dass die DNA-Abschnitte unmittelbar neben der GR-Bindungssequenz eine wichtige Komponente für die Aktivität des Zielgens zu sein scheinen. Zudem ergaben ihre Analysen, dass sich die Struktur der DNA verändern kann und damit auch der GR strukturell verändert wird. Mit Hilfe der Kernspinresonanzspektroskopie untersucht Schöne die strukturellen Veränderungen von GR und DNA sowie deren Wechselwirkungen miteinander. Bisher wurde davon ausgegangen, dass eine erhöhte Genaktivität die Konsequenz der stärkeren Bindung eines Transkriptionsfaktors an die DNA ist. Schöne dagegen konnte zeigen, dass die Bindungsstärke für den GR keine wichtige Rolle spielt. Viel entscheidender scheinen Aufbau und Struktur der Ziel-DNA zu sein. Ihre Ergebnisse sollen dazu beitragen, künftig noch spezifischere Medikamente mit weniger Nebenwirkungen zu entwickeln.

Hinter dem Programm FOR WOMEN IN SCIENCE stehen die Deutsche UNESCO-Kommission und L’Oréal Deutschland. Seit fast 10 Jahren unterstützen sie in Zusammenarbeit mit der Stiftung der Nobelpreisträgerin Christiane Nüsslein-Volhard herausragende Doktorandinnen der Natur­wissenschaften mit Kindern. Drei Preisträgerinnen pro Jahr erhalten jeweils eine finanzielle Unter­stützung im Wert von 20.000 Euro. Damit soll ihnen zum einen die Situation im Alltag erleichtert werden, denn sie erhalten ein Jahr lang 400 Euro im Monat für Kinderbetreuung oder Haushalts­hilfe, um mehr Zeit mit ihrer Forschung und ihren Kindern verbringen zu können. Aber auch Coaching- und Weiterbildungsmaßnahmen werden von dem Betrag finanziert. 10.000 Euro der Fördersumme fließen an das Institut der jeweiligen Preisträgerin, um dort Projekte umzusetzen, die nachhaltig die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. Neben Stefanie Schöne wurden 2015 Lena Schell-Majoor, Ingenieurin im Bereich Medientechnik am Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT, und Annina Schulz, Mikrobiologin an der Universität Marburg, mit dem L’Orèal-Preis „For Women in Science“ ausgezeichnet.

 

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