„Man muss neugierig und kreativ sein“ - Interview mit Elodie Limberg

23. April 2026

Im Rahmen des Boys Day 2026 interviewten Yannick Reuß und Dorde Stojadinovic PhD Studentin Elodie Limberg über ihren Werdegang und ihre Forschung. 

Hatten Sie schon als Kind Interesse an Naturwissenschaft?

Ja, ich wollte als ich klein war immer Meeresbiologin werden, weil ich immer so Unterwasserdokus mit meinem Vater geguckt habe. Ich fand die sehr cool. Nachher musste ich dann feststellen, dass es dann doch nicht so cool ist Meeresbiologie zu studieren, wie in den Dokus.

Wie sind Sie dazu gekommen, hier zu forschen? 

Eigentlich Zufall. Ich habe eine Präsentation gesehen von dem Professor, bei dem ich hier meine Masterarbeit gemacht habe. Ich wusste auch vorher tatsächlich gar nicht so viel über Max Planck. Dann habe ich den Vortrag gesehen und fand das cool und bin hier hingekommen. 

Woran forschen Sie aktuell? 

Wir arbeiten hier am Institut viel mit Stammzellen. Das sind Zellen, die noch alles werden können und wir sind daran interessiert, wie die Zellen das steuern, dass sie sich jetzt in einen anderen Zelltyp differenzieren können. Zum Beispiel, deine Augen sind ja anders als deine Haut. Das sind dann verschiedene Zellen, die verschiedene Dinge machen und ganz am Anfang kamen die ja aus einer Zelle. Die muss sich dann immer entscheiden, jetzt mache ich das, und jetzt mache ich das. Und dafür muss irgendwas in der Zelle passieren. Damit beschäftigen wir uns so ganz grob. Ein bisschen genauer, beschäftige ich mich mit den Elementen, die das regulieren. Die nennt man Gene. Die selbst müssen auch irgendwie reguliert werden und wie das funktioniert, das gucke ich mir an.  

Planen Sie weiter in der Forschung zu bleiben? 

Das ist immer eine schwierige Frage. Ich kann aber mir schon vorstellen, weiter in der Forschung zu bleiben. In der Forschung zu bleiben bedeutet nicht nur, dass man jetzt hier so was macht. Man kann auch Forschung in Firmen machen. Da gibt es viele Möglichkeiten. Ich bin noch am Überlegen, wo genau ich Forschung machen will, aber ich will schon weitermachen. 

Woran möchten Sie denn weiterforschen? 

Ich finde das, was ich jetzt mache, schon sehr interessant, aber im Moment ist es sehr spezifisch und genau. Ich könnte mir vorstellen, später mehr in angewandte Forschung gehen. Also zum Beispiel mir anzugucken, wie die Regulation in Krankheiten ist oder wie die verändert ist. Aber das ist noch nicht so ganz klar. 

Was mögen Sie und was mögen Sie nicht an Ihrer Arbeit? 

Also was ich am allerliebsten mag, sind meine Kolleg*innen. Die sind klasse. Ich mag, dass man immer was Neues lernt, also es ist nie langweilig. Jeden Tag macht man was Neues und man muss immer was Neues planen und es wird einfach nie langweilig. Natürlich, wir arbeiten mit Zellen und die brauchen halt immer Aufmerksamkeit, auch am Wochenende. Das heißt, man muss dann ganz oft auch am Wochenende arbeiten. Davon würde ich mir natürlich ein bisschen weniger wünschen. Aber es gibt ganz viele positive Dinge, die ganz toll sind an der Arbeit. 

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei Ihnen aus? 

Jeder Tag sieht anders aus. Meistens bin ich um 9 Uhr hier und dann setze ich mich erst mal an den Computer und gucke mir an, was heute gemacht werden muss. Wenn ich was im Labor zu tun habe, dann mache ich das meistens morgens. Dann gibt es Mittagessen und wir essen immer alle zusammen, das ist total schön. Nachmittags arbeite ich meistens nochmal am Computer und plane den nächsten Tag. Jeder Tag sieht anders aus. Also es gibt nicht so den Standardtag. 

Welche Fertigkeiten sind wichtig, um hier arbeiten zu können? 

Man muss neugierig sein und zu einem bestimmten Teil auch kreativ. Man muss ein bisschen widerstandsfähig sein, weil ganz oft in der Forschung Sachen nicht klappen. Das ist ganz normal. Das Wichtigste ist aber, dass man dann versteht warum diese Dinge nicht klappen, das dann verändert, weitermacht und sich nicht davon runterziehen lässt. Trotz, dass man in der Forschung immer an seinem eigenen Projekt arbeitet, ist Teamwork und das Zusammenhaltsgefühl total wichtig. Das wird nicht so oft diskutiert, aber es ist total wichtig, dass man auch soziale Fähigkeiten hat und miteinander arbeitet, weil das Arbeitsklima damit steht und fällt, wie viel Spaß dir die Arbeit macht. Wenn du zur Arbeit kommst und niemand mag sich und keiner redet miteinander, dann ist das auch nicht schön. 

Was würden Sie den Jugendlichen, was Karriere betrifft, raten? 

Wenn man seinen Doktor macht, dann hat man ja schon dieses ganze Studium und alles hinter sich. Wenn man studiert an der Uni, ist es ja meistens so, dass das Studium darauf ausgelegt ist, Forscher*innen auszubilden. Meine Eltern haben nicht studiert und niemand wusste, was ein/e Forscher*in ist. Ich habe das erst zufällig in der Uni mitbekommen, als ich studiert habe. Ich denke, dass man vielleicht schon auf der Uni offen für alles sein sollte und persönlich sage ich mir immer, alles einmal probieren. Wenn man denkt, dass man etwas interessant findet, dann probiert man es einmal und dann kann man eine Entscheidung treffen, ob man es mag oder nicht. Mein Rat wäre offen zu sein für Sachen - wie beim Essen mindestens einmal ausprobieren. Wenn es nicht schmeckt, dann ist es nicht das Richtige.

 

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