„Glückliche Menschen machen bessere Wissenschaft“
Interview mit der neuen Gruppenleiterin Sedona Murphy
Sedona Murphy ist seit September 2025 am MPIMG tätig. 2023 hat sie im Labor von Alistair Boettiger an der Stanford University School of Medicine ihren Doktor gemacht. Anschließend war sie als unabhängige Forschungsstipendiatin in der Abteilung für Zellbiologie an der Yale School of Medicine tätig. Wir haben mit ihr über ihre Forschung zur 3D-Genomorganisation und Epigenetik, ihren Werdegang und die Bedeutung guter Mentor*innen gesprochen.
Sedona, was wird der Schwerpunkt deines Labors am MPIMG sein?
In meinem Labor werden wir hauptsächlich superauflösende Mikroskopietechniken einsetzen, um die Genexpression mit Veränderungen in der Chromatinorganisation in Verbindung zu bringen. Wir sind besonders daran interessiert, wie die 3D-Genomorganisation das epigenetische Gedächtnis während der Entwicklung reguliert oder verstärkt.
Genomorganisation und epigenetisches Gedächtnis sind sehr weit gefasste Themen. Warum untersuchst du diese Phänomene genau in der Entwicklung?
Weil es dort so wichtig ist. Die Entwicklung des Organismus ist ein äußerst dynamischer Prozess. Zellen haben zu einem bestimmten Zeitpunkt während der Entwicklung eine bestimmte Identität, die sie sich merken und beibehalten müssen. Gleichzeitig müssen sie in der Lage sein, diese Identität je nach Entwicklungsreizen, Zeitpunkt und Input zu verändern oder zu vergessen.
Was sind deiner Meinung nach die großen offenen Fragen auf diesem Gebiet?
Als ich mit meinem Studium angefangen habe, wurden die ersten HiC-Messungen durchgeführt, die diese Strukturen in der Genomorganisation zeigten. Sie werden als topologisch assoziierte Domänen bezeichnet. In den letzten zehn Jahren haben wir wirklich verstanden, dass der Zellkern sehr dynamisch und heterogen ist. „Chromatin” oder „Genomarchitektur” ist vielleicht nicht einmal die richtige Bezeichnung, weil „Architektur” eine gewisse Stabilität oder physische Struktur impliziert. In Wirklichkeit sind diese topologisch assoziierten Domänen aber nur statistische Interaktionshäufigkeiten. Die große Frage ist jetzt also, wie sich statistische Merkmale in stabile Genexpressionsprogramme umsetzen lassen. Der Bereich der 3D-Genomorganisation ringt seit langem mit der Frage der Funktionalität, also damit, wie funktional Veränderungen in der Genomorganisation für Entwicklungszwecke sind.
Der unmittelbare Nutzen der Grundlagenforschung ist oft nicht ganz klar. Was erhoffst du dir als Auswirkung deiner Arbeit?
Epigenetische Systeme sowie die Genregulation und damit verbundene Prozesse sind bei Krankheiten, Entwicklungsstörungen und Krebs oft gestört. Ich hoffe, dass wir zu einem grundlegenden Verständnis der Biophysik dieser Prozesse beitragen können. Dies könnte in Zukunft dabei helfen, diese Gesundheitsprobleme anzugehen.
Wir haben über Deine Wissenschaft gesprochen, jetzt lass uns über Dich sprechen. Warum bist du Wissenschaftlerin geworden?
Ich war schon immer ein sehr neugieriger Mensch, besonders, was die Natur betrifft. Bis zur Universität wusste ich nicht genau, was es bedeutet, Wissenschaftlerin zu sein. Deshalb wollte ich zunächst Medizin studieren, weil mir das greifbarer erschien. In meinem ersten Studienjahr hatte ich einen Mentor, der Biologe war und ein eigenes Labor hatte. Im Sommer gab es in seinem Labor einen freien Stelle, die ich annahm. Diese Erfahrung hat mein ganzes Leben verändert.
Daher ist es auch nicht überraschend, dass du auf deiner Website schreibst, dass dir die Betreuung von Nachwuchswissenschaftler*innen sehr am Herzen liegt. Was macht deiner Meinung nach gutes Mentoring aus?
Da ich selbst einen Mentor hatte, der meine gesamte Karriere verändert hat, habe ich viel darüber nachgedacht. Für mich bedeutet eine gute Betreuung, Menschen dort abzuholen, wo sie sind, und anzuerkennen, dass jeder Mensch anders ist, andere Bedürfnisse hat und andere Dinge im Leben erreichen möchte. Nicht alle, die in mein Labor kommen, möchten das Gleiche tun wie ich. Ein Teil meiner Arbeit besteht darin, Menschen in ihren Stärken, Schwächen und Zielen zu unterstützen. Wichtig ist, gut zuzuhören und zu wissen, wann man sich entschuldigen muss.
Denkst du, dass die Qualität der Betreuung die Qualität der Wissenschaft beeinflusst?
Ja, ich glaube, dass glückliche Menschen bessere Wissenschaft machen. Wenn man die Menschen mag, mit denen man zusammenarbeitet, und ein sehr kooperatives Umfeld fördert, wird man zwangsläufig bessere Wissenschaft machen. Diese Menschen werden gerne zur Arbeit kommen. Sie werden motivierter sein. Es werden mehr Ideen ausgetauscht. Ein toxisches Umfeld hat dagegen nur negative Auswirkungen.











