Interview mit der Erstautorin Francesca Rossi
In unserer Interviewserie sprechen wir mit den Erstautor*innen aktueller Studien und blicken hinter die Kulissen der Forschung
Francesca Rossi hat gerade ihre Doktorarbeit im Labor von Sarah Kinkley am MPIMG abgeschlossen. Sie ist die Erstautorin einer aktuellen Veröffentlichung in der Fachzeitschrift “Nucleic Acids Research” aus dem Kinkley-Labor in Zusammenarbeit mit den Laboren von Hnisz und Vingron. Wir sprachen mit ihr über ihre Motivation, dieses Projekt in Angriff zu nehmen, was ihr an der Arbeit am meisten Spaß gemacht hat und warum es in der Wissenschaft keine langweiligen Momente gibt.
Francesca, in Deiner aktuellen Veröffentlichung hast Du herausgefunden, wie der epigenetische Leser PHF13 mit Chromatin interagiert. Kannst Du die Ergebnisse Deiner Arbeit zusammenfassen?
Wir haben die vielfältigen Funktionen des epigenetischen Lesers PHF13 untersucht, indem wir seine verschiedenen Proteindomänen analysiert haben. Wir haben herausgefunden, dass PHF13 in der Lage ist, sich auf Chromatin zu oligomerisieren, was die Chromatinkondensation fördert, und dass es sich über seine ungeordneten Domänen auch selbst assoziieren kann. Durch selektives Entfernen dieser regulatorischen Domänen konnten wir die Funktionen von PHF13 modulieren. Dies führte nicht nur zu beobachtbaren phänotypischen Unterschieden, sondern auch zu unterschiedlichen Ergebnissen auf Transkriptomebene. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir durch die Regulierung von PHF13 auf Proteinebene seine vielfältigen biologischen Funktionen beeinflussen können. Darüber hinaus unterstreicht diese Forschung die wichtige Rolle von PHF13 als Chromatinleser und zeigt seine Bedeutung für die Chromatinregulation auf.
Was hat Dein Interesse an dieser Forschung geweckt, und was fasziniert Dich daran so sehr, dass Du dabei geblieben sind? Welche Erkenntnis haben Dich am meisten überrascht?
Was mich anfangs an dieser Forschung gereizt hat, war die Beobachtung der auffälligen Wirkung der Überexpression von PHF13 auf die Chromatinkondensation. Das hat mich überrascht, weil von anderen Laboren, wie denen von Peters und Nasmyth, im Zusammenhang mit der Fehlregulation wichtiger SMC-Komplex-Regulatoren über ähnliche Phänotypen berichtet worden war. Von diesen Phänotypen ist bekannt, dass sie eine entscheidende Rolle bei der Regulation der Chromatinstruktur spielen. Bislang wurde jedoch kein Zusammenhang zwischen PHF13 und diesen Komplexen festgestellt. Das Potenzial, neue Zusammenhänge aufzudecken und unser Verständnis der Chromatinregulation zu erweitern, fasziniert mich und motiviert mich, mich intensiv mit dieser Forschung zu beschäftigen.
Rückblickend betrachtet, welcher Teil des Forschungsprozesses war am lohnendsten?
Die erfolgreiche Zusammenarbeit mit verschiedenen Laboren. Ich bin unglaublich dankbar für die Gelegenheit, mit verschiedenen Wissenschaftler*innen zusammenzuarbeiten, die nicht nur ihr einzigartiges Fachwissen eingebracht haben, wodurch wir mehrere sich ergänzende Ansätze anwenden konnten, sondern auch meine eigene Lernerfahrung als Studentin bereichert haben. Durch diese vielfältigen Interaktionen bin ich sowohl persönlich als auch beruflich gewachsen.
Was gefällt Dir am meisten daran, Wissenschaftlerin zu sein/Wissenschaft zu betreiben?
Es ist die ständige Beschäftigung und Herausforderung, die damit verbunden ist. Es wird nie langweilig, da man ständig Hypothesen aufstellt, Experimente zu deren Überprüfung entwirft und die Ergebnisse kritisch bewertet, um Klarheit und Genauigkeit zu verbessern. Dieser kontinuierliche Kreislauf des Forschens hält mich intellektuell auf Trab. Noch wichtiger ist, dass ich Erfüllung darin finde, zu wissen, dass ich mit dieser Arbeit einen positiven Beitrag für unsere Gesellschaft leiste.
Wohin führt Dich Deine wissenschaftliche Reise nun?
Nach Abschluss meiner Promotion habe ich mich entschlossen, meine Leidenschaft für die Wissenschaft im Bereich der Epigenetik weiter zu verfolgen. Ich freue mich darauf, meine Postdoc-Forschung im Hackett-Labor am EMBL in Rom, Italien, zu beginnen, wo ich mich weiterhin mit epigenetischer Regulation befassen werde. Dabei werde ich mich insbesondere auf die Rolle von Chromatinmarkierungen konzentrieren.












